BWL oder VWL an der HSG? Vergleiche fachliche Fragen, Methoden und typische Denkaufgaben, damit du deine Studienwahl begründet eingrenzen kannst.
HSG Wissen
Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre an der Universität St.Gallen (HSG) unterscheiden sich vor allem darin, welche Fragen du vertieft untersuchst. In der BWL stehen häufig Entscheidungen und Abläufe von Organisationen im Vordergrund. In der VWL untersuchst du wirtschaftliches Verhalten, Märkte und gesellschaftliche Zusammenhänge. Beide Perspektiven überschneiden sich.
Für die Studienwahl hilft deshalb ein Vergleich konkreter Aufgaben mehr als die Frage, welches Fach allgemein bessere Berufschancen habe. Die folgenden Beispiele sind eigene Orientierungshilfen und keine nachgebildeten HSG-Prüfungen. Du brauchst dafür weder einen fertigen Karriereplan noch bereits ausgeprägtes Fachwissen.
Stell dir vor, ein Unternehmen verkauft weniger Produkte. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive könntest du untersuchen, ob das Angebot die Zielgruppe erreicht, wie Kosten entstehen und welche Änderung sich für das Unternehmen lohnt. Die offizielle BWL-Seite nennt unter anderem Marketing, strategisches Management, Finance und Accounting als fachliche Bereiche.
Volkswirtschaftlich könntest du fragen, wie sich Einkommen, Wettbewerb oder veränderte Anreize auf die Nachfrage auswirken. Die offizielle VWL-Seite betont wirtschaftliche Zusammenhänge und datenbasierte Analyse. Der Blick kann ein einzelnes Unternehmen einschliessen, bleibt aber nicht auf dessen interne Entscheidung beschränkt.
Notiere bei diesem Beispiel spontan drei Fragen, die du weiterverfolgen möchtest. Interessieren dich vor allem Gestaltung und Umsetzung innerhalb der Organisation oder eher die Erklärung eines Marktes? Deine Auswahl gibt einen ersten Hinweis, ohne schon eine endgültige Zuordnung zu verlangen.
Nimm als eigenes Beispiel ein Café, das seine Preise erhöhen möchte. Schreibe zunächst eine halbe Seite darüber, welche Informationen die Betreiberin für ihre Entscheidung benötigt. Denk an Ausgaben, Kundengruppen, Angebot und mögliche Reaktionen. Trenne dabei Beobachtungen von blossen Vermutungen.
Wechsle anschliessend die Perspektive: Welche Folgen könnten steigende Preise mehrerer Cafés für verschiedene Gruppen haben? Welche Rolle spielen Konkurrenz, Einkommen oder Ausweichmöglichkeiten? Überlege, welche Daten deine Erklärung stützen oder widerlegen würden.
Achte danach auf deinen Arbeitsprozess. Bei welchem Teil wolltest du freiwillig weiterdenken? Wo hat dich eine unklare Annahme gestört? Eine gute Passungsfrage lautet nicht nur „Was konnte ich schnell lösen?“, sondern auch „Welche schwierige Frage fand ich trotzdem interessant?“.
Wähle BWL nicht allein, um Zahlen zu vermeiden, und VWL nicht allein, weil du Mathematik in der Schule mochtest. Auf den offiziellen Programmseiten sind in beiden Fächern methodische beziehungsweise datenbezogene Kompetenzen erkennbar. Die konkrete Ausgestaltung musst du im aktuellen Curriculum prüfen.
Teste dein Interesse an Begründungen: Wenn eine Grafik eine Entwicklung zeigt, möchtest du wissen, welche Daten dahinterstehen und welche Erklärung möglich ist? Wenn ein Modell eine Annahme vereinfacht, kannst du diese Vereinfachung zunächst nachvollziehen und später kritisch prüfen?
Bei der Studienwahl darfst du vorhandene Stärken und Lernbereitschaft getrennt bewerten. Schwierigkeiten mit einer Methode können eine bearbeitbare Lücke sein. Dauerhafte Abneigung gegen genau die Fragen und Arbeitsweisen des Fachs ist ein anderer Hinweis. Dafür brauchst du mehrere Beispiele, keinen einzigen gelungenen oder misslungenen Versuch.
„Ich will etwas Praktisches“ ist als Auswahlkriterium noch zu ungenau. Möchtest du eine Entscheidung empfehlen, eine Entwicklung erklären, ein Datenset auswerten oder eine Wirkung beurteilen? All diese Tätigkeiten können einen praktischen Bezug haben.
Beschreibe einen möglichen Arbeitstag, ohne Berufsbezeichnungen zu verwenden. Beispielsweise: „Ich möchte Informationen über Kundinnen und Kunden auswerten und daraus eine Angebotsentscheidung ableiten.“ Oder: „Ich möchte untersuchen, welche Gruppen von einer politischen Massnahme betroffen sind.“
Vergleiche diese Beschreibung mit Lehrinhalten und Aufgabenbeispielen. Eine Fallstudie ist nicht automatisch interessanter als ein theoretischer Text; entscheidend ist, was du dabei verstehen oder entscheiden sollst. Frage bei einer Studieninformation deshalb nach dem Lernziel hinter einer konkreten Aufgabe.
Öffne die aktuellen Studiengangsseiten nebeneinander. Markiere Pflichtinhalte, Wahlmöglichkeiten und methodische Elemente unterschiedlich. Übersetze unbekannte Begriffe zunächst in eine einfache Arbeitsfrage. Du musst ihre ganze Theorie noch nicht beherrschen.
Wähle anschliessend pro Fach zwei Pflichtbereiche, die du näher kennenlernen möchtest. Suche eine kurze Einführung aus einer verlässlichen fachlichen Quelle oder bitte die Programmberatung um geeignetes Orientierungsmaterial. So prüfst du das Fach über Inhalte, die tatsächlich zum Kern gehören.
Bewerte auch unspektakuläre Grundlagen. Ein einzelner besonders attraktiver Wahlkurs trägt die Entscheidung für einen ganzen Studiengang nur begrenzt. Prüfe, ob dich der Weg zu dieser Vertiefung ebenfalls interessiert, und ob deine Vorstellung vom Fach auch zu seinen weniger bekannten Bestandteilen passt.
Ein Fach kann unterschiedliche berufliche Wege ermöglichen, aber eine Studiengangsbezeichnung allein verspricht keine konkrete Stelle. Nutze Berufsideen daher als Suchrichtung: Welche Tätigkeiten reizen dich, und welche Kompetenzen brauchst du dafür?
Du kannst zum Beispiel zwei öffentlich zugängliche Tätigkeitsbeschreibungen vergleichen und darin Analyse, Kommunikation, Umsetzung und Fachwissen markieren. Daraus entsteht eine bessere Frage an die Studienberatung: Welche fachlichen Grundlagen helfen bei diesen Tätigkeiten, und welche weiteren Erfahrungen wären sinnvoll?
Vermeide die umgekehrte Abkürzung, aus einer bekannten Berufsbezeichnung zwingend auf genau ein Studium zu schliessen. Deine Interessen können sich im Studium verändern. Ein belastbares fachliches Fundament und die Bereitschaft, neue Fragen zu bearbeiten, sind deshalb sinnvolle Bestandteile deiner Entscheidung.
Erstelle eine kleine Gegenüberstellung mit vier Kriterien: fachliche Fragen, Methoden, Pflichtinhalte und gewünschte Tätigkeiten. Trage je Fach ein konkretes Beispiel ein. Begründe jede Einschätzung in einem Satz, anstatt scheinbar exakte Punktwerte zu vergeben.
Wenn beide Fächer passen, suche die entscheidende offene Frage. Vielleicht fehlt dir ein Eindruck empirischer Arbeit oder eine Vorstellung betrieblicher Entscheidungen. Plane dafür einen begrenzten nächsten Schritt, etwa ein Gespräch oder eine weitere Fachaufgabe.
Dein Ergebnis darf vorläufig lauten: „Derzeit spricht mehr für VWL, weil mich die Erklärung wirtschaftlicher Zusammenhänge stärker beschäftigt; den Umgang mit Methoden möchte ich noch prüfen.“ Diese Aussage ist für deine weitere Orientierung hilfreicher als ein unbegründetes Ja zu einem Studiengang.
Quellen geprüft am 2. November 2026. Die praktischen Übungen und Entscheidungshilfen sind redaktionelle Empfehlungen.