Open-Book-Prüfungen vorbereiten: Wissen anwenden statt Unterlagen stapeln

Open-Book-Prüfungen sinnvoll vorbereiten: erlaubte Hilfsmittel klären, Wissen anwenden, Unterlagen ordnen und eigene Probeläufe gezielt auswerten.

Studium

Eine Open-Book-Prüfung bereitest du am besten vor, indem du Aufgaben eigenständig löst und deine zugelassenen Unterlagen gezielt zum Nachschlagen nutzt. Eine große Materialsammlung ersetzt weder Verständnis noch eine begründete Antwort. „Open Book“ ist außerdem keine vollständige Hilfsmittelregel: Welche Bücher, Notizen, Dateien oder Geräte tatsächlich erlaubt sind, muss für deine konkrete Prüfung feststehen.

Dieser Ratgeber beschreibt eine Lernstrategie für ausdrücklich bestätigte offene Prüfungsformate. Er behauptet nicht, dass Prüfungen an der Universität St.Gallen (HSG) generell Open Book sind. Maßgeblich bleiben die jeweiligen offiziellen Prüfungsinformationen. Alle Übungsabläufe und Zeitbeispiele hier sind eigene Vorschläge.

Kläre zuerst den genauen Rahmen

Notiere die erlaubten Materialien und die Form der Durchführung. Sind eigene Notizen zugelassen? Darf dein Exemplar Markierungen enthalten? Sind digitale Dateien erlaubt, und wenn ja, in welcher Umgebung? Frage gezielt nach, wenn eine Vorgabe mehrdeutig ist. „Ich habe gehört, es ist offen“ reicht nicht als Grundlage für deine Vorbereitung.

Halte auch fest, welche Hilfen gerade nicht geklärt sind. Aus zugelassenen Unterlagen folgt keine Erlaubnis für Internetzugriff, Zusammenarbeit oder KI-Werkzeuge. Wenn du mit Hilfsmitteln übst, die später fehlen, trainierst du unter falschen Bedingungen. Verweise für HSG-Fragen auf das aktuelle Merkblatt und die zuständigen Personen. Regeln einer anderen Hochschule können die Bedingungen deiner Prüfung nicht ersetzen, auch wenn das Format ähnlich bezeichnet wird.

Prüfe dein Wissen zunächst ohne Nachschlagen

Nimm eine geeignete Übungsfrage und erkläre zunächst aus dem Kopf, worum es geht. Welche Begriffe brauchst du? Welche Methode könnte passen? Welche Annahme musst du prüfen? Erst wenn du diese erste Struktur notiert hast, öffnest du deine Unterlagen. So erkennst du, welche Teile deines Wissens bereits verfügbar sind.

Unterscheide dabei eine fehlende Einzelinformation von einer fehlenden Idee. Eine Definition lässt sich vielleicht schnell nachschlagen. Wenn du aber nicht erkennst, welches Problem die Aufgabe stellt, hilft ein Stichwortregister nur begrenzt. Die ETH Zürich betont in ihren didaktischen Informationen zu Open Book ebenfalls Verständnis und Anwendung. Das dient hier als methodischer Hintergrund und sagt nichts über konkrete HSG-Aufgaben aus.

Baue eine Orientierung statt einer Materialwand

Ordne deine zugelassenen Unterlagen nach Fragen, die du beim Arbeiten tatsächlich stellst. Ein kurzer Wegweiser könnte Begriffe, Methoden, Voraussetzungen und typische Einschränkungen unterscheiden. Verweise jeweils auf die Stelle im erlaubten Material, an der du die Information findest. Erstelle diese Übersicht nur in einer Form, die deine Prüfung zulässt.

Teste jeden Verweis an einer realen Übungsfrage. Wenn du regelmäßig mehrere ähnlich benannte Kapitel öffnest, ist die Ordnung noch nicht eindeutig genug. Ergänze dann einen passenden Suchbegriff oder eine knappe Abgrenzung. Kopiere nicht vorsorglich alles in ein weiteres Dokument. Mehrere umfangreiche Sammlungen können dieselbe Information enthalten und trotzdem das Finden erschweren, weil du nicht mehr weißt, welche Fassung du verwenden wolltest.

Übe die Auswahl zwischen ähnlichen Methoden

Stelle zwei Verfahren gegenüber, die du leicht verwechselst. Formuliere für jedes: Wann ist es passend, welche Voraussetzungen braucht es und woran würde ich erkennen, dass es hier ungeeignet ist? Nimm anschließend einen eigenen kleinen Fall und begründe die Auswahl vor der Berechnung oder Ausarbeitung.

In unserem erfundenen Beispiel sollst du beurteilen, ob sich ein beobachteter Unterschied bereits als Erklärung für eine Entwicklung eignet. Eine bloße Zahl beantwortet diese Frage nicht. Du musst sagen, was verglichen wird und welche weiteren Informationen fehlen. Der Lernwert liegt darin, das verfügbare Wissen auf einen konkreten Auftrag zu beziehen. Eine gut auffindbare Formel kann dabei helfen, sie trifft die fachliche Entscheidung aber nicht für dich.

Probiere einen vollständigen Arbeitsdurchlauf

Wähle eine zusammenhängende Übung und arbeite mit genau den Materialien, die du voraussichtlich verwenden darfst. Lege für deinen eigenen Probelauf einen passenden Zeitraum fest. Beobachte dabei nicht nur das Ergebnis, sondern auch Suchwege und Unterbrechungen. Welche Information musstest du unnötig lange suchen? Wo hast du zu früh nachgeschlagen?

Markiere drei Arten von Zeitverlust: fehlendes Verständnis, ungünstige Ordnung und zu ausführliche Antwort. Jede verlangt eine andere Änderung. Beim Verständnisproblem brauchst du fachliche Arbeit. Bei der Ordnung verbesserst du Verweise. Bei der Antwort prüfst du, was der Auftrag tatsächlich verlangt. Versuche nicht, alle Schwierigkeiten durch noch mehr Material zu lösen. Wiederhole danach eine ähnliche Aufgabe und prüfe, ob die Änderung etwas bewirkt.

Formuliere Antworten, die den Auftrag erfüllen

Eine Aufgabe kann eine Erklärung, einen Vergleich, eine Berechnung oder eine begründete Beurteilung verlangen. Unterstreiche das jeweilige Arbeitswort und plane deine Antwort entsprechend. Wenn du vergleichen sollst, braucht es gemeinsame Kriterien. Wenn du beurteilen sollst, müssen Maßstab und Begründung sichtbar werden. Eine Sammlung passender Textstellen reicht dafür häufig nicht.

Als eigene Übung kannst du eine Antwort nachträglich auf drei Fragen prüfen: Habe ich die gestellte Frage beantwortet? Ist mein Gedankengang nachvollziehbar? Habe ich eine relevante Einschränkung genannt? Kürze anschließend alles, was nur Materialwissen demonstriert, ohne die Antwort zu verbessern. So verwendest du die Unterlagen als Unterstützung deiner Argumentation und überlässt ihnen nicht die Struktur deiner gesamten Antwort.

Kontrolliere Unterlagen und Grenzen vor dem Termin

Prüfe zum Schluss, ob deine Materialien vollständig, lesbar und in der erlaubten Form verfügbar sind. Teste digitale Funktionen nur in einem zulässigen Rahmen und verlasse dich nicht darauf, dass ein gewohnter Zugriff am Prüfungstag möglich sein wird. Kläre verbleibende Fragen früh über den offiziellen Weg.

Dein letzter Lernschritt sollte eine kleine Anwendung sein, keine endlose Neuordnung. Erkläre eine Methode, löse eine Aufgabe und finde eine einzelne Information gezielt wieder. Damit prüfst du die drei Fähigkeiten, auf die diese Vorbereitung zielt: verstehen, anwenden und nachschlagen. Welche davon in deiner konkreten Prüfung wie gewichtet wird, ergibt sich aus den offiziellen Anforderungen und lässt sich aus der Bezeichnung „Open Book“ allein nicht ableiten.

Quellen und Stand

Quellen geprüft am 2. November 2026.

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